Ostrakismus
Das Scherbengericht

Das griechische Wort Ostrakon bedeutet Tonscherbe. Kleisthenes soll nach Aristoteles der Schöpfer dieser frühen Form des Volksbegehrens sein. Seine Verfassungsreform scheint er bald nach 510 v.Chr. eingeleitet zu haben. Mit dem "Scherbengericht" setzte er eine Instanz ein, die Bürger verbannen konnte, wenn sie durch allzu große Machtfülle der demokratischen Ordnung gefährlich zu werden drohten. Der Rat der Fünfhundert schrieben den Namen eines Bürgers, der ihnen unangenehm wurde, auf eine Tonscherbe und stimmten so über seine Verbannung ab. Wer zuviele Stimmen erhielt, mußte für zehn Jahre verschwinden. Die Person konnte aber auch vor dem Ausgang der Frist von der Versammlung wieder zurückgerufen werden. Die letzte Landesverweisung soll im Jahr 417 stattgefunden haben.

Zwar stammt auch Kleisthenes aus vornehmem Geschlecht. Das Motiv seiner Reform ist wohl in der Auseinandersetzung mit einer anderen Adelsfamilie zu suchen. Er darf als der eigentliche Schöpfer einer Demokratie gelten, die auf gleichen Rechten für alle Staatsbürger beruht. Mit seiner Reform vollzog Kleisthenes die Entmachtung der aus Adels- und Standesinteressen hervorgegangenen Gruppierungen. Er gliederte das attische Territorium neu in drei Zonen (Stadt, Land und Küste) und die Bevölkerung in zehn Phylen (vorher waren es nur vier), von denen jede fünfzig Abgeordnete in den "Rat der Fünfhundert" entsandte. Jede der Phylen führte für 36 Tage (d.i. ein Zehntel des Amtsjahres) die Geschäfte der Stadt und hatte den Vorsitz im Rat inne.

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