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| Das Pergament war ein feineres Schreibmaterial
als Papyrus oder Ton-, Wachs- und sonstige Auftragestoffe, und
es erlaubte den Einsatz filigranerer Schreibwerkzeuge. Mit Einsatz
der Kielfeder entwickelten sich die Uncialschriften, die mit den
römischen Eroberungszügen und der damit verbundenen Verbreitung
des Christentums nach Britannien getragen wurden. Das Prinzip der
Rundung in der Schrift führte zur heute gebräuchlichen Form von
Groß- und Kleinbuchstaben. Die Buchstaben standen nicht mehr isoliert
für sich, sondern verschmolzen mehr und mehr. |
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| Die etwas anstrengend zu lesenden Großbuchstaben,
die Majuskelform, wurde abgelöst von den Minuskelformen, die als
Unterscheidungsmerkmal sich mit Ober- und Unterlängen darstellte. |
| In der Abgeschiedenheit
der irischen Klöster entwickelten sich nationale Unterschriften,
die mit der Zeit ihre Herkunft aus den römischen Halbuncial- und
Uncialschriften vergessen ließen und mit Hingabe gestaltet wurden. |
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Book of Kells |
Besonders in Irland entstanden
Kleinode der Schreibkunst. Das Book of Kells wurde nie vollendet
und steckt voller Schreibfehler, aber die Illuminationen sind beeindruckend.
Es wird heute in der Bibliothek des Trinity College in Dublin gehütet. |
| Unter Karl dem Großen im
9. -12. Jrh. kam es zur Renaissance der Schrift. Unter seiner Regie
und der seines Schreibmeisters Alcuin aus York entwickelte sich
die seither so genannte "karolingische Minuskel", eine Kleinbuchstabenschrift,
die aus der römischen Unciale abgeleitet und den Schriftentwicklungen
der Klöster angepasst wurde. |
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| Verwandtschaftlichen und missionarischen
Verbindungen zum Kontinent ist es wohl zu verdanken, dass die Minuskeln
sich als "Amtschrift" Karls durchsetzten. Ausserdem hatte Alcuin
bei einem irischen Schreibmeister gelernt. In den Schreibschulen
wurden vielfach Texte mit verschiedenen Schriften gegliedert, Unciale
für Überschriften, Halbunciale für untergeordnete Überschriften
und für den Text die Minuskel. Dies war die Blütezeit der Klosterschriften,
aus der uns unzählige Schätze erhalten sind, und auch viele Klassiker
der Antike, die Karl der Große von seinem "turba scriptorium",
der Schreiberhorde, wie Alcuin sie nannte, kopieren ließ. |
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Mit dem Aufblühen der
Kaufmannsklasse ab dem 12. Jrh. fertigten auch immer mehr Laienschreiber
in Auftragsarbeit Urkunden und Abschriften von Büchern an. Zum
schnellen Gebrauch gedachte Texte wurden noch immer wie wie bei
den Griechen und Römern auf Wachstafeln geschrieben; Pergament
war dafür zu teuer, Papyrus zu weit weg. Auch Holztafeln wurden
beschriftet. |
| Oft wurden ältere Pergamente abgeschabt
und wieder verwandt; zum Haare raufen, welche Schätze literarischen
und künstlerischen Schaffens damals verloren gingen, bloß, weil
das Papier fehlte. Die letzte erhaltene Kopie der Schriften des
Archimedes aus dem 10. Jahrhundert wurde zum Beispiel auf diese
Weise vernichtet und erst in unserer Zeit mühsam rekonstruiert. |
| In Rom wurde noch Papyrus verwandt,
aber Europa jammerte, wenn ein schöner Obstbaum vom Blitz getroffen
wurde, weil so viel Schreibmaterial verloren ging. Der Einfluss
des Islam nahm zu. Die Normannen eroberten Sizilien und Süditalien,
Spanien war maurisch, und Alfons VI. ließ sich 1085 sowohl nach
islamischem als auch nach christlichem Ritus zum König krönen.
Sein Herrschaftssitz in Toledo erblühte zu einer Metropole der
Wissenschaft, in der arabische Gelehrte viele Werke der Antike übersetzten
und so der Nachwelt erhielten. In vielen Bereichen war Europa auf
Neandertalerniveau gegenüber dem arabischen Raum; Medizin, Astronomie
und Mathematik war durch kirchliche Bremser in ihrer Entwicklung
gehemmt worden, und die Araber kannten schon seit dem 8. Jahrhundert
die Geheimnisse der Papierherstellung aus Hadern, die sie allerdings
auch nicht selbst erfunden, sondern wahrscheinlich chinesischen
Kriegsgefangenen mit harschen Mitteln entlockt hatten. |
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Die Minuskelschrift Karls
des Großen hielt sich noch bis ins 13. Jahrhundert und wurde zunehmend
enger gepresst und schmaler in ihrer Gestaltung. |
| Nach und nach entwickelte
sich aus praktischen Erwägungen daraus die Textur , eine gebrochene
Schrift mit strengem Aussehen, auch gotische Schrift genannt. In
den Schreibstuben der Städte saßen unzählige Handwerker mit den
unterschiedlichsten Arbeiten befasst, die die Herstellung eines
Buches erforderte. Man wurde nicht reich dabei, und die Arbeit
war anstrengend . Selbst die größten Künstler hatten nur dann ein
sorgenfreies Leben, wenn sie den Reichen auch noch mit anderen
Eigenschaften angenehm auffielen. So mancher starb gänzlich verarmt,
weil ihm der zugesagte Lohn nicht ausgezahlt wurde, und man bekommt
beim Lesen ein ganz anderes Verständnis für den Satz: "Wen die
Götter hassen, den machen sie zum Schreiber oder zum Schulmeister." |
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König Edward IV begutschtet die
neue Druckmaschine |
Im südeuropäischen Raum
wurden rundere Formen als die gotische bevorzugt. Mit einer Nostalgiewelle
entwickelte man die Rotunda, auch Italienische Gotisch genannt.
Dieser Littera moderna stand eine Littera antiqua gegenüber, die
sich aus der karolingischen Minuskel ableitete, die in Italien
im 11. und 12. Jahrhundert geschrieben wurde und sich von der Aachener
Schrift unterschied.
Aber die Tage der Schreiber waren gezählt., in Venedig errichten die Brüder
Johann und Wendelin aus Speyer 1467 die erste Druckerpresse. |
| Gutenberg entwickelte
die Drucklettern aus Blei, Zinn und Antimon, die hart genug waren,
dem Druck der Presse standzuhalten. Auch wenn für Illuminatoren
noch Arbeit vorhanden war (Platz für Bilder wurde beim Druck ausgespart),
so wurden die Techniken doch immer ausgefeilter und Bücher auch
für Normalsterbliche erschwinglich. Besonders mit dem bekannt werden
von Papier beschleunigte sich diese Entwicklung. |
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Gutenberg druckte seine
erste Bibel noch in gotischer Schrift. Um 1470 erscheint dann auf
die zweite gebrochene Schriftgruppe: Die "Schwabacher", genannt
vermutlich nach dem Ort Schwabach bei Nürnberg. |
| 1517 tritt zum ersten Mal
die Fraktur auf den Plan.Zu ihren frühesten Benutzern zählt Albrecht
Dürer. Mit ihren feineren Buchstaben gewinnt sie rasch Freunde
im deutschen Sprachraum. Aber auch bei den östlichen und südöstlichen
Nachbarn sowie in Skandinavien findet sie starke Verbreitung. Bis
in das 20. Jahrhundert werden nun anfangs alle, später die weitaus
meisten deutschen Texte in Fraktur gesetzt. |
| Dies trägt ihr den Namen "deutsche
Schrift" ein. Der Ausdruck "lettera tedesca" lässt sich schon Ende
des 19. Jahrhunderts in Oberitalien nachweisen. Gemeint ist damit
die für deutsche Texte üblich gewordene Schrift, nämlich Schwabacher
und Fraktur. |
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| Auch die Technik des Kupferstichs
wird ihre Popularität gefördert haben (Kupferstecherfraktur) Als
bewußte Gegenschöpfung zur deutschen Schrift kommt zu dieser Zeit
die Humanisten-Antiqua auf. (Antiqua bedeutet hier nichts anderes
als "Altschrift".) |
Offenbacher Schrift nach Rudolf Koch, ähnlich
der Sütterlinschrift
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In den 20er und 30er Jahren
des 20. Jahrhunderts wurde in Deutschland die Sütterlinschrift
als Standardschulschrift eingeführt. |
| Ludwig Sütterlin war der "Erfinder" der
Schrift, ein Grafiker, der eigentlich nur zusammentrug, was in
den Handschriften des 17.-19. Jahrhunderts an Eigenheiten vorkam
und daraus diese Schrift entwickelte. Es ist eine Kurrentschrift,
etwas nach rechts geneigt und mit Verbindungen zwischen den Buchstaben.
Kurrentschriften gibt es noch in einigen Mischformen. |
| Mit der Erfindung des Computers
tritt die Schriftgeschichte in ein neues Stadium. Weitausholende
Schwünge und Verzierungen sind dem digitalen Helfer nicht mehr
möglich, aber jeder kann perfekte Schriftstücke in einer unendlichen
Anzahl verschiedener Schriften produzieren. Und es ist diese Perfektion,
seit Tausenden von Jahren nur von den größten Künstlern ihres Faches
erreicht, die die Kalligraphie wieder interessant werden läßt.
Die klinische Ausformung einer computergedruckten Urkunde reizt
das Auge ungefähr wie Leitungswasser den Gaumen, will sagen gar
nicht. Und so wird die Kunst des schönen Schreibens vielleicht
eine ungeahnte Renaissance erleben. Warten wir es ab. |
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