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Die Tinte erst gibt dem Wort Gewicht.
Und wer schön schreibt, hat mehr von der Sprache.

Federhalter mit Drachenkopf

November: Endlich geht er an den Start, der erste Drachen-Federhalter ist fertig! Spätestens seit es Game of Thrones gibt, kann man Drachen verkaufen wie geschnitten Brot, aber irgendwie kommt niemand mit einem "Drachenschreiber"auf den Markt.

Also: selber machen! Das Modell kommt aus der Specksteinschnitzerei von Steffi Felling aus der Traumstein-Werkstatt. Bei ihr hatte ich die Drachenköpfe zuerst gesehen, und da sie eine so schöne Form hatten habe ich sie gebeten, einen Federhalter-Prototyp für mich zu schnitzen. Sie hat die Aufgabe bravourös gemeistert, keine einfache Sache, einmal ist der schlanke Stab zerbrochen, als er eigentlich schon fertig war, zum Heulen. Vielen vielen Dank an die Meisterin des Specksteins für die Geduld!

Den Federhalter werde ich natürlich dabei haben auf dem Weihnachtswaldmarkt in Vosswinkel! Der Preis wird wohl um die 50 EUR liegen, mit Schatulle und Tinte.
Einzelheiten zum Schreiber: Material Zinn, Gewicht ca. 40 g, Länge 35 - 40 cm, mit einer Lady Amherst Fasanenfeder und einer Stahlschreibfeder nach Wahl.

Der Halter liegt ausgesprochen gefällig in der Hand, die Unterseite ist leicht gebogen und schmiegt sich dadurch sehr angenehm an die Daumenkehle an. Der Drachen ist insgesamt 10,5 cm lang und passt auch in größere Schreiberhände. Es passen alle gängigen Schreibfedern in die Globusaufnahme. Ein wirklich ansprechendes Schreibutensil!

 

Oktober: Die Vorbereitungen für Weihnachtsmarkt fangen langsam an. Ich stehe wieder in 59757 Vosswinkel an den ersten beiden Advents-Wochenenden, im schönen Wildwald. Dieser Weihnachtsmarkt ist wirklich etwas Besonderes, und ich stehe dort nicht nur gern, weil ich mit dem Fahrrad hinkommen kann ;-)
Es gibt wirklich tolle Stände, mit leckeren, schönen, kuriosen und praktischen Dingen, es wird auch noch ein umfangreiches Beiprogramm geboten. Gehste deinen Weihnachtsbaum schlagen, woll, und vorher noch Gewicht schätzen von einem frisch geschossenen Reh oder Wildschwein, und danach einen Glühwein am Lagerfeuer, und ein Stockbrot dazu frisch aus der Glut... Weihnachtsmarkt auf sauerländisch.

Ich freue mich wirklich, und werde alles an Kalligraphie-Zubehör auffahren, was ich zu bieten habe. Schreibsets aller Art, Tinten und Tuschen, Siegel und Siegelwachs/-lack, Schreibfedern und Federhalter, gehärtete Gänsefedern, Schreiber aus Vogelfedern, Papier und Pergament, Geschriebenes auf allen möglichen Untergründen...

Wenn das Wetter passt, kann ich auch an meinem kleinen Schreibtisch arbeiten, und Kindern zeigen wie es geht. Kommt immer auch ein bißchen auf die Besuchermenge an. Ich werde an der offenen Stirnseite der Halle am großen Waldzelt aufbauen, wo auch der Holzofenbäcker steht.

Schaut mal vorbei, ein ganz besonderer Weihnachtsmarkt ist das!

Wildwald Weihnachtsmarkt Halle am Zelt

September: Die Wahl der Werkzeuge ist für den Anfänger zunächst nicht ganz einfach. Allzu viele Schreiber gibt es auf dem Markt, vom Füller mit breiter Spitze über Faserschreiber und den gewöhnlichen Federhalter, in den man verschiedene Schreibfedern einsteckt, aber welche?
In den schicken Schreibsets, mit denen man inzwischen inflationär zugeworfen wird, gibt es in der Regel eine Spitzfeder, das wird dann für Anfänger verkauft. Ohne einen Kursus wird kein Anfänger damit glücklich.
Man muss zunächst einmal die Technik beherrschen, NUR beim Abstrich (also der Bewegung der Feder auf einen zu) Druck auszuüben, damit die Federspitze spreizt und der Strich breiter wird. Matthias Gröschke hat das hier gut dargestellt. Mit der Spitzfeder kann ich durch diesen "Schwellzug" allerdings feiner und filigraner schreiben als mit jeder anderen Feder, was bei manchen Schriften absolutes Muss ist. Also: Wer gute Feinmotorik hat, immer ran an die Spitzfeder, aber kauft euch eine gute!
Einfacher ist die Bandzugfeder zu handhaben, die in einen Federhalter eingesteckt wird. Bei ihr entstehen die unterschiedlichen Breiten sozusagen von selbst, je nachdem in welchem Winkel des Buchstabens man gerade ist. Für den Anfänger eignet sich daher auch ein Füller mit solch breiter Spitze, weil man dann noch nicht einmal Tinte nachfüllen muss.
Mit der Bandzugfeder schreibt man oft die gebrochenen Schriften (Fraktur, Textur z.B.), aber sie ist auch für anderes geeignet.

Bandzugfeder-Schriftzug

Jeder fängt klein an: Kalligrafiekurse helfen!

August: Da immer wieder danach gefragt wird, wo es denn Kalligraphiekurse gibt, möchte ich mal eine kleine Übersicht schaffen. Erstens lohnt es sich immer, in der örtlichen VHS nachzufragen, ob nicht mal ein Kursus angeboten werden könnte. Das ist für den Anfänger meist die einfachste und nächstgelegene Lösung.

Will man etwas professioneller rangehen oder hat schon etwas Erfahrung, lohnt sich der Besuch eines Seminars, vielleicht übers Wochenende, vielleicht in einer wunderschönen Örtlichkeit, die gleichzeitig noch Urlaubsatmosphäre bietet. Das kostet dann natürlich auch etwas mehr, je nach Anspruch.

Gute Kalligrafen und Kalligrafinnen haben meist ein festes Kursangebot etabliert, ein paar möchte ich euch empfehlen:
Thomas Hoyer in Aachen gibt Kurse weltweit, sein Kursangebot ist hier nachzuschlagen.
Joachim Propfe agiert von Braunschweig aus, seine Kurse sind hier zu finden (Seminare)
Hans Maierhofer ist als Regensburger viel im Süden unterwegs, aber auch in NRW, die katholische Akademie Schwerte zum Beispiel hat Kurse mit ihm im Angebot. Alles unter schriftkunst.de
Brigitte Borchers gibt Sonntagsseminare in Münster, Karin Bauer gibt Kurse in Berlin.
Peter Unbehauen lebt in Hamburg, gibt Kurse aber auch bundesweit, hier die Auflistung.

Alles tolle Künstler, bei denen sich ein Seminar wirklich lohnt! Die Liste könnte natürlich noch erweitert werden, aber es soll erst einmal reichen!
Mein eigener nächster VHS-Kurs ist übrigens am 31.01. in Neheim.

Juli: Die Herstellung von Tinte ist ein lohnendes, weil nicht besonders kompliziertes Gewerk und mit einem Resultat, das der Schreiber direkt nutzen kann.
Das deutsche Wort Tinte stammt vom lateinischen tingere = färben ab. Das lateinische Wort für Tinte war im Altertum atramentum (= die Schwärze, von ater = schwarz, dazu unterschied man atramentum librarium oder scriptorium (= Bücher- oder Schreibtinte).

Im Moment habe ich gerade Walnusstinte angesetzt, weil mir ein dicker Ast aus dem Baum gebrochen ist und viele unreife Nüsse anfielen. Man bekommt die Schale noch nicht ab, darum habe ich die Nüsse einfach mit dem Hammer zerschlagen. Mit etwa gleich viel Wasser ansetzen, aufkochen und über Nacht stehen lassen, dann abseihen durch ein feines Tuch, damit keine Schwebstoffe mehr in der Flüssigkeit bleiben. Die fertige Tinte noch mit ca. 10 % Essigessenz versetzen gegen Schimmel, es geht aber auch Salz.
Nachtrag: Die Färbung dieser Tinte ist bei weitem nicht so stark wie von reifen Fruchtschalen! Es empfiehlt sich in jedem Fall, auf das Herunterfallen zu warten!

Ein Rezept aus dem Netz muss ich mal ausprobieren: frische Klatschmohnblütenblätter mit drei Teilen Wasser und einem Teil Essigessenz in ein Schraubglas geben und drei Tage in die Sonne stellen. Soll Tinte rauskommen! Und sollte dann wohl auch mit anderen Blüten funktionieren.

 

Juni: Es lohnt sich immer, die vielfältigen Portale des Netzes abzuklappern nach schönen Anregungen. Da gibt es zum Beispiel Pinterest, wo Nutzer Fotos und Videos teilen können. Man wird natürlich stets dazu aufgerufen, sich anzumelden, muss man aber nicht, um die Bilder zumindest in Kleinformat schon ansehen zu können. Auf Youtube kann man auch immer mal wieder reinschauen. Oder man sucht nach "video kalligraphie" auf Google, und pickt sich raus was interessant scheint, da findet man dann auch wieder ganz andere Sachen (z.B. Joachim Propfe beim Truhen beschriften).

Mai: Das Echternacher Evangeliar liegt seit 1955 in den Händen des Nationalmuseums in Nürnberg, wo ich vor Jahren einmal das Glück hatte, passend zur Präsentation des teuren Originals in der Stadt zu sein. Hier habe ich mal einige der Bordüren des Buches zusammen gestellt (Bild rechts, Klick auf das Bild öffnet die Bordüren in größerem Format).
Zur Ausstellung wurde ein Buch der Kuratorin Anja Grebe über Entstehung und Handwerkskunst des Codex aureus (auch durch die üppige Goldeinlage ist es eines der teuersten Bücher der Welt) veröffentlicht, das ich empfehlenswert finde.

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir von der damaligen Ausstellung, dass Gesichter und Details teilweise übermalt wurden, was mit heutigen wissenschaftlichen Methoden offenbar wurde. Die Übermalung durch den sogenannten "Langnasen-Maler" wirkt manchmal perspektivisch direkt albern, und warum sie überhaupt stattfand ist m.W. bis heute rätselhaft.

Interessant die Geschichte des Verkaufs ans Museum, die ein recht unvorteilhaftes Bild auf die Familie von Sachsen-Coburg wirft.

Detail aus dem Echternacher Evangeliar-Faksimile

Bordüren des Echternacher Evangeliars

 

Das Göttinger Musterbuch der Illumination

April: Über die Jahre sammelt man so viel zusammen. Und was vor ein paar Jahren noch in unerreichbarer Ferne in irgendwelchen Tresoren und klimatisierten Kellern gehütet wurde, ist inzwischen zum Teil digitalisiert und lässt sich ohne lange Reise ansehen. Dazu gehört auch das Göttinger Musterbuch und die Göttinger Gutenberg-Bibel, die wahrscheinlich nach diesem Musterbuch ausgeschmückt wurde. Gesamtübersicht mit mehr Info hier.
Die Tricks der Buchmaler werden hier als Anleitung verraten, das Musterbuch hat viel zur Entschlüsseling alter Illuminationstechniken beigetragen und gehört zum UNESCO-Welterbe.
Leider sind die Digitalisierer keine Helden des Webdesigns; man muss Popups erlauben, ein Flash-Plugin installiert haben, und den Trick mit STRG-Taste und dem Drehen am Mausrad kennen, um wirklich Details in größerer Abbildung genießen zu können. Aber es geht und es lohnt sich!

März: Eisengallustinte herzustellen reizt mich seit langem, und auch wenn ich im letzten August noch von den schönen Galläpfeln geschwärmt habe, die von hiesigen Eichen fallen, mußte ich angesichts der Mühsal des Sammelns dann doch auf die Möglichkeiten des Internets zurückkommen und habe mir einfach ein Kilo bestellt.

Mit 90 Gramm dieser Galläpfel, pulverisiert im Smoothiemaker (wer Fitness braucht nehme den Mörser) wird die Tinte angesetzt. 10 g Gummi arabicum, 30 Gramm Eisenvitriol, 400 ml Regenwasser werden zugemischt, das Ganze dann drei Tage warm gestellt.
Nach drei Tagen abseihen durch ein sauberes Leinentuch, und schon haben wir die beste Tinte der Welt! Da die Eisengallustinte erst durch Oxidation an der Luft ihre schwarze Farbe erhält, kann man sie noch zusätzlich mit Farbstoff wie Annilinblau versehen, oder Blauholzextrakt zufügen. Der Haltbarkeit zuliebe wird noch 1 g Ascorbinsäure zugefügt, verhindert Schimmelbildung (Salicylsäure tut desgleichen).

Commercial Script mit Eisengallustinte
Hier eine erste Schriftprobe mit der Spitzfeder. Die Tinte hat sehr gute Fliesseigenschaften und wird binnen Minuten tiefschwarz. Das Experiment ist gelungen!

Schreiben mit der Gänsefeder macht Spaß!


Februar: Eine häufiger vorkommende Anfrage an mich ist "Welche Schrift ist das?", begleitet von einem Bild mit ein paar Buchstaben, aus denen ich einen Schriftnamen raten soll. Tättowierer kennen das Problem sicher gut, die kriegen wahrscheinlich auch öfter Fotos von zwei Initialen, die iwo am Strand abgelichtet wurden, und den Auftrag "Genau die Schrift, aber A&F statt W&O" oder ähnlich. Bei Typografie.info gibt es eine wunderbare Seite mit den 10 besten Tricks, eine Schrift zu erkennen.

Eine interessante Intitiative ist die "Aktion Handschreiben 2020". Ziel: Die Forschungen zum Handschreiben sollen verbessert und die Erkenntnisse in der Lehrerbildung besser verankert werden. Bis 2020 soll ein flächendeckendes Programm zur Förderung des Handschreibens in Kitas und Schulen entwickelt werden.
Immer mehr Kinder haben durch mangelnde Feinmotorik Probleme, eine flüssige Handschrift zu erlernen. Ich stelle es selbst oft auf meinen Mittelaltermärkten fest, bei denen ich den Kurzen das alte Handwerk zeige. Sie verkrampfen die Schreibhand, dass schon das Zusehen weh tut, oder haben sich schon im 2. Schuljahr eine derart verkehrte Haltung angewöhnt, dass es nur zu Problemen führen kann. Dabei WOLLEN sie so gern schreiben, ich finde es deprimierend, das sie schon entmutigt werden, bevor sie das Alphabet richtig kennen, weil es durch Fehlhaltungen zu anstrengend ist.

Dazu kommen noch die LinkshänderInnen, die es besonders schwer haben, aber heute keinen Umgewöhnungskurs mehr absolvieren müssen. Ihnen sei dieses Schreibbeispiel empfohlen.

Januar: Das Jahr hat kreativ begonnen. Nachdem ich mich länger schon über die Qualität mancher Kalligraphie-Werkzeuge geärgert habe war es jetzt soweit, eigene Schreiber herzustellen. Der Anfang ist gemacht. Hier seht ihr das erste Sortiment aus Fasan, Silberfasan und Pfau. Mit Messing und Bambus verarbeitet, mit einer Allround-Globusaufnahme für jedwede gängige Stahlfeder.

Das alles sind noch Prototypen. Der Bambus ist wunderbar glatt, das Griffstück passt sich bestens an die Messingaufnahme an. Aber wir experimentieren noch mit Zeder und Nussbaum als Schaft.

Rechts im Bild ein weiterer Prototyp, ein Federhalterständer. Federhalter-Ablage für maximal fünf Federhalter, nach einem Jugendstil-Original aus Zinn nachgearbeitet. Verbindung aus Messingrohr, mit Hutmuttern verschraubt. Stabil, praktisch und wunderschön!
Ich arbeite seit Jahren mit dem Original, das ich vor Jahren mal zufällig ergattert habe. Jetzt endlich habe ich den Handwerkergott gefunden, der ihn nachbaut!

Auf dem nächsten Markt (ich hoffe beim Mystica Hamelon) sind diese neuen Schmuckstücke schon dabei. In absehbarer Zeit soll es aber auch (endlich) einen vernünftigen Shop geben.

ARCHIV ARCHIV ARCHIV ARCHIV ARCHIV ARCHIV ARCHIV ARCHIV ARCHIV ARCHIV

Das Wort verhallt, man muss es niederschreiben, und dergestalt wird´s in Erinnerung bleiben.
The Webmistress Susanne Ulmke


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