Januar:
In Dresden ist im Moment der Maya-Codex
ausgestellt, eines von vier erhaltenen Manuskripten
einer ausgelöschten Kultur. Angeblich sagt er
den Weltuntergung für Dezember diesen Jahres
voraus, aber das kann auch daran liegen, dass zu diesem
Zeitpunkt ein Zeitzyklus abgeschlossen ist und die
Maya um 1250 wahrscheinlich noch nicht daran dachten,
ausgelöscht zu werden.
Dezember: Eine interessante
Dokumentation erzählt die Geschichte des geheimnisvollsten
Buches der Erde: des Voynich-Manuskripts. Die meisten
alten Schriften konnten entschlüsselt werden,
aber dieses Buch nicht. Entdeckt wurde es 1912 von
Michael
Voynich in Oberitalien, man vermutet anhand einer
Illustration im Buch dort inzwischen auch den Entstehungsort.
Aber es befand sich unter anderem am Hof Rudolphs
II im Prag der Renaissance, dort schrieb wohl auch
Jakub
Horcický z Tepence seinen Namen hinein,
was ihn als einen der Vorbesitzer kennzeichnet. Das
Buch ist in einer Schrift verfasst, die auch den besten
Kryptologen der Welt bis heute widersteht. Das Material
ist kostbar, teilweise wurden ganze Tierhäute
verwendet, auch die Pigmente sind von höchster
Qualität. Es scheint ausgeschlossen, dass dieses
Manuskript kein wichtiges Wissen enthält. Hier
sind Bilder
zu sehen.
ORF Reportage Das Voynich Rätsel – Die
geheimnisvollste Handschrift der Welt Teil
1 - Teil
2 - Teil
3 bei youtube
Artikel
bei heise.de mit vielen Bildern
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November:
Papier war früher eine ganz andere Sache als
heute. Es gab viele kleine Papierfabriken, die in
sehr persönlicher Ansprache jeden lokalen Schreibwarenändler
bemusterten, siehe linke Werbeschrift der Papierfirma
Max Krause, etwa 20er Jahre des 20sten Jahrhunderts.
Früher gab es ja auch dutzende Apfelsorten, ebenso
war das mit dem Papier.
Wenn wir heute für unsere kalligrafischen Kunstwerke
einen Beschreibstoff suchen, nehmen wir oft Aquarellpapier
(es ist bei Fernsehaufnahmen besonders eindrucksvoll,
kann ich euch versichern), weil es so vielseitig ist.
Wie Aquarellfarbe auf diesem Papier wirkt, weiß
man, geschriebene Tusche ist begeisternd scharf abgebildet.
Am besten schreibt man zuerst und malt danach beherzt
über der Tusche einen passenden Hintergrund.
Tuscheschrift verwischt nicht! Man sollte mit Küchenpapier
vorsichtig die Schriftzüge freitupfen, sonst
ist die Tusche glanzlos. Man kann auch erst den Hintergrund
machen und drüber schreiben, aber dann sind die
Tuschekonturen nicht mehr so scharf (nass in nass
ist natürlich wie immer bei Aquarell eine spannende
Sache).
Aquarellpapier ist leider teuer, ein A4 Blatt kostet
etwa 50 ct. Ein gutes, glattes Kopierpapier vielleicht
10 ct. Ich verwende auch öfter Elefantenhaut,
Pergamentimitat, kostet vielleicht 30 ct pro Blatt
(wenn schon, dann mindestens 110 g schwer).
Aber das war es dann schon mit der Vielfalt. Dass
ein Vertreter ins Papiergeschäft kommt und hundert
Sorten, Farben, Schweregrade zur Auswahl vorbeibringt,
ist kaum mehr vorstellbar. Aber mir wären viele
Apfelsorten auch ehrlich gesagt wichtiger. An apple
a day keeps the doctor away! Ein Blatt Papier kann
da nun wirklich nicht helfen.
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Oktober:
Die Albrecht-Dürer-Schule in Düsseldorf
lehrt Gestaltung und hat die Umsetzung
einer Aufgabe dokumentiert. Wirklich interessant,
wie unterschiedlich die Interpretationen sind. Jeder
entwickelt ja mit der Zeit einen eigenen Schriftstil,
bestimmte Ornamentik, individuelle Schreibformen der
Schriften. Man kocht irgendwann aber immer mit demselben
Wasser. Darum ist es hilfreich, sich in Kalligraphie-Seminaren
einmal Anregungen von anderen Schönschreibern
zu holen.
Eine Ausstellung ist auch immer schön. Werke
von Herbert Maring und Albert Schmalz sind zur Zeit
im Archiv der Schreibwerkstatt
Klingspor ausgestellt, eine Ausstellung, die nur
noch bis einschließlich 27.Oktober 2011 geht.
Die Öffnungszeiten sind donnerstags von 13:00
bis 18:00 Uhr.
Und eine weitere Ausstellung: Kalligraphien von Johann
Maierhofer im Rathaus in Neunburg vorm Wald, Eröffnung
am Sonntag, 16. Oktober 2011 um 14:00 Uhr, Dauer der
Ausstellung bis 31. Dezember 2011. Rechts ein Eindruck.
Die Mittelaltermärkte
gehen langsam dem Ende entgegen für dieses Jahr.
Mehr mich für 2012 buchen möchte, möge
sich hier über
meinen Stand informieren.
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September:
Das Siegeln ist eine wirklich uralte
Tradition. Frühe Siegelringe,
an der Hand getragene Siegel, waren schon bei den Ägyptern
in Gebrauch. Urkunden wurden mit Siegeln versehen, und
bis heute zieht die Verletzung amtlicher Siegel empfindliche
Strafen nach sich. Wenn wir in der Kalligraphie heute
Siegel und Siegellack benutzen, so dient dies meist
dem dekorativen Abschluss eines handgeschriebenen Briefes,
der natürlich auch noch in einen ebensolchen Umschlag
kommt.
Der Siegellack (oder das Wachs) wird an einer Kerze
o.ä. zum Tropfen gebracht (das kann ruhig brennend
aufs Papier, aber immer sofort auspusten), 3 bis 5 Tropfen
genügen. Dann das kalte Siegel
aufdrücken, Sekunde warten, ein bißchen rechts-links
drücken und abziehen.
Wenn das Siegel zu warm geworden ist, kann der Siegellack
kleben bleiben, das ist ziemlich nervig, man kann dann
mit sehr feinem Werkzeug ganz vorsichtig abpickeln.
Das ist jedenfalls mein augenblicklicher Wissensstand.
Gute Tipps sind willkommen! |
August:
Die Kalligraphie-Ausstellung des Künstlers Shahid
Alam wird am Samstag, 27. August 2011, um 15.00 Uhr
in Kloster Wedinghausen eröffnet. Shahid Alam,
geboren 1952 in Lahore – Pakistan, lebt seit
1973 in Deutschland, wo er in der freien Atmosphäre
der Gesellschaft der Vielfalt seiner Interessen und
deren Verwirklichungsmöglichkeiten nachgehen
konnte. Seit 1996 arbeitet er als Freischaffender
Künstler in Aachen. Die Kunst der arabischen
Kalligraphie hat in seiner künstlerischen Tätigkeit
einen besonderen Platz eingenommen. Die meisten seiner
Bilder kommen aus dem religiösen Bereich, aber
auch Texte europäischer Dichter haben ihren Ausdruck
gefunden in arabischer Schrift. Zur Eröffnung
gab es eine Darbietung, wo der Künstler mit einer
großen Plakatfeder vorführte. Ich fand
die Ausführung dieser Schrift interessant wegen
Werkzeug (mit der Plakatfeder schreiben finde ich
schwierig wegen des hohen Tintenflusses), Schreibrichtung
(von rechts nach links, man muß weitgehend mit
der Hand in der Luft schreiben) und dem häufigen
Schieben der Feder, wenn lange Geraden von unten nach
oben geschrieben werden.
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Juli: Die Pläne zur Faksimile-Ausstellung im Kloster Wedinghausen konkretisieren sich. Wahrscheinlich ab 23. April 2012, d.h. rund um den Welttag des Buches bis in den Juni hinein (ca. 6-8 Wochen), soll es in Arnsberg eine tolle Ausstellung mit allen Kostbarkeiten der mittelalterlichen Buchkunst geben. Vom Stundenbuch des Duc de Berry über dasselbe von Isabella von Kastilien, der Bamberger Apokalypse, dem Book of Kells und Lindisfarne oder dem Perikopenbuch Heinrich II., alle werden versammelt sein. Ich freue mich riesig!
Juni: Es ist eine für mich ganz neue Erfahrung gewesen, mich mit klassischer Musik beim Schreiben berieseln zu lassen, ein Tipp von Ingrid Schade. Wie von selbst fängt die Hand im Rhytmus zu schreiben, je nach Taktgeschwindigkeit verfällt man in einen anderen Duktus, und es gelingt sogar mir auf Anhieb die Loslösung von der starren Buchstabenform. Pfingstfaul wie ich bin, habe ich gleich den ersten Versuch online gestellt, aber vielleicht wiederhole ich das Ganze noch mal.
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Mai: Das Alphabet ist die Grundlage aller Schriftkunst.
Interessant ist es, einfach mal die Bildersuche bei Google zu bemühen. Man findet nicht nur Alphabete, sondern eine Vielzahl von schönen Anregungen für die eigene Arbeit. Ausserdem findet man auch eine der seltenen Ausstellungen, die für Kalligrafie-Interessierte sehenswert sind: Das Alphabet von A bis Z in der Kunsthalle Memmingen vom
27. März 2011 bis 31. Juli 2011
Eine weitere Ausstellung in der Stuttgarter Landesbibliothek: F.H. Ernst Schneidler war Kalligraph, Typograph, Schriftgestalter, Maler und engagierter Lehrer. Sein Werk umfasst unter anderem allein 20 Schriften, die zum Teil bis heute im Buchdruck Verwendung finden.
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April: Ein interessantes Zeitzeichen bei WDR gehört, steht leider nur noch bis 23.4. online: der Nürnberger Künstler Johann Siebmacher starb am 23. März vor 400 Jahren und erreichte Berühmtheit als Wappenmaler. Zu dieser Zeit entwickelte sich der Beruf des Herolds, der auf Turnieren die Ritter ankündigte und darum natürlich deren Abzeichen kennen muß, keine leichte Aufgabe. Der „Siebmacher“ wurde sprichwörtlich, weil er tausende von Ritterwappen aufzeichnete und zum unentbehrlichen Nachschlagewerk wurde. Sein Grab ist auf dem Nürnberger Johannisfriedhof, Nr. 755 Die Seite wappenbuch.com stellt eine umfangreiche Wappensammlung dar.
Die Heraldik, wie Wappenkunde auf schlau heißt, ist ein weites Feld voller Symbolik. Eigentlich umfasst dieses Heroldswesen (der Herold kündigte bei den Ritterturnieren die Jungs in den Rüstungen an) nicht nur die Kunde der Wappen, sondern auch die Fähigkeit, deren Symbolik zu erkennen und die Berechtigung des Trägers beurteilen zu können. Wer sich des Tragens falscher Wappen überführt sah, konnte Pferd und Rüstung verlieren.
Neues im Sortiment: es gibt auch endlich Bandzugfedern für LinkshänderInnen. D.h. die Feder ist linksgeneigt abgeschrägt. In den Größen 1 mm, 1,6 mm, 2 und 3,2 mm sind sie vorrätig. Die Zeiten als Kindern das Schreiben nur mit dem "guten Händchen" aufoktruiert wurde, sind vorbei, das ist endlich auch in der Kalligraphie angekommen.
Kursangebot
10. bis 13. Juni 2011 Schwerpunkt Gotische Schriften
(Textura)-mit Farbgestaltung
09. bis 11.September 2011 Schwerpunkt Freie Alphabete
mit Erstellung eines Schriftmusterbuches.
Beide Seminare werden von Frau Herold aus der Schreibwerkstatt Klingspor, Offenbach geleitet und sind sowohl für Anfänger als auch für Fortgeschrittene geeignet.
Weitere Informationen auf unserer Internetseite www.Haus-Bittenhalde.de
Standort: Tieringen Kurzensteige 29 72469 Meßstetten |
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März: Nachdem ich einmal seine kalligrafische Idee geklaut habe ("Chicago fire", hier mein Nachbau ), habe ich mich auf Mike Kecsegs Homepage umgesehen und schwelge im Anblick. Und wie Sokrates wußte, dass er nichts wußte, seh´ich daran, dass ich nichts kann. Aber ein schöner Anblick ist es doch...
Bei der Gelegenheit habe ich eine hilfreiche Liste entdeckt und vervollständigt: "Zehn Dinge, die ich über Kalligraphie gelernt habe"
Februar 2011: Was ist Kalligraphie? Steven Skaggs definiert: „Je mehr Buchstabenformen, desto weniger Kalligraphie; oder je weniger Buchstabenformen, desto mehr kalligraphische Qualität.“ Der Schritt vom Schönschreiben zur Kalligraphie ist der Sprung ins Unbekannte, in die losgelöste Form, „die Hand schreibt das Herz“. Eine interessante Erfahrung ist es daher, sich einmal zum Schreiben die Augen zu verbinden. |
Januar 2011: Das Jahr hat viele schöne Wochenenden, an denen Geschichte zelebriert wird. In Soest ist großes Fehde-Jubiläum vom 13. bis 21. August 2011. Die ganze Stadt macht mit. Mit einem eigens geschriebenen Festspiel, dass ab Donnerstag immer um 20 Uhr aufgeführt wird, erinnert die Stadt an den historischen Zoff mit dem Kölner Erzbischof, der 1444 begann und bis 1449 endete. Als die Bürger frech geworden (in Soest entstand angeblich der Spruch "Stadtluft macht frei"), hatten sie sich einfach einen neuen Fürsten gewählt, Johann von Kleve. Der Kaiser verhängte daraufhin die Reichsacht über die Stadt, aber das kratzte die Soester wenig. Man hatte dicke Mauern, und auch ein 12.000 Mann starkes Söldnerheer biß sich an ihnen die Zähne aus. Leider hatte das gesamte Umland unter der Fehde zu leiden, Neheim wurde einmal ganz abgebrannt, weil es zum Grafen von Arnsberg gehörte und damit zu Köln. Harte Zeiten. Und vier Jahre später begann der 30jährige Krieg.
Einen VHS-Kurs in Monogrammgestaltung biete ich am Samstag, 05. März an. Hier näheres und Anmeldung.
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Monogramme als Besitzzeichen sind eine uralte Tradition, die in vielfältiger Weise zum Kennzeichnen persönlicher Gegenstände genutzt wurden. Das Ex Libris als Buchstempel erlebte seine Blütezeit im Jugendstil, wurde aber auch lange vorher schon in teilweise kostbaren Schriften benutzt. Der Kurs führt zum Entwurf eines eigenen Monogramms oder Ex Libris, nach alten Vorbildern oder modern gestaltet, schlicht in Einzelbuchstaben oder verbunden mit Zierrat nach persönlichem Geschmack. Das Monogramm wird auf Wunsch digitalisiert, um es für eigene Stempel oder Aufkleber nutzen zu können.
So bekommt die Korrespondenz wieder eine persönliche Note, wenn der Brief schon mit dem Computer geschrieben wurde.
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Dezember: Die Zeit des Barock, etwa die Jahrhundertwende vom 16. zum 17. Jahrhundert, beeinflusste die Kalligraphie zu ausufernden Spielereien. Es war die Zeit der mächtigen Fürsten, die sich prunkvollste Paläste mit verspielten Gärten bauen liessen, üppige Perücken trugen und ihre Tage in Dekadenz und ausschweifenden Festen verbrachten. Alles war ausgeprägt und ausschweifend, die Architektur wie die Malerei, und die Schriftkunst entwickelte analog zu diesen Strömungen eine Formenvielfalt, die uns heute eher übertrieben erscheint. Paulus Franck, ein Schreibmeister aus Memmingen, veröffentlichte 1601 seine Schatzkammer der Schreibkunst. Sein Versalalphabet (hier als Font für den PC, Dank an Dieter Steffmann) kann für den Anfänger schon ziemlich frustrierend anzuschauen sein. Trotzdem lohnt es sich, Psymon.com hat das Alphabet digitalisiert (der Rest der Site ist auch ziemlich interessant). |
| November: Die eigene Handschrift will geübt sein, das wird jeder für sich feststellen, wenn er nach Jahr und Tag einmal wieder ein Postkärtchen aus dem Urlaub schicken will. Eine ruinöse Angelegenheit für die Handschrift ist nicht nur der tägliche Umgang mit dem Computer, sondern auch die Nutzung von Kugelschreibern statt Füllfederhaltern. Andreas Schenk vergleicht den Gebrauch des Kulis mit dem des Federhalters in der Wirkung, als wenn man mit Müllsäcken am Fuß übers Eis rutscht im Vergleich zum Schlittschuh laufen. Zu Goethes Zeiten, als Gänsefeder und Federhalter noch usus waren (rechts eine Original-Seite aus dem Faust) wurde weniger auf Schnelligkeit denn auf Schönheit Wert gelegt. Aber heutzutage gewinnt eine leserliche Handschrift wieder mehr Freunde. Man hat nun mal nicht jederzeit einen Drucker zur Hand, um eine Botschaft zu hinterlassen. |
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Oktober: Am Sonntag, 23.10. ist Abschlussveranstaltung der Landesgartenschau in Hemer. Wir sind mit dem GRAL e.V. am Spielplatz "Zwergengold" mit mittelalterlichen Spielen und Scriptorium. Da es um Pigmente geht, stöbere ich gerade mal wieder nach allen möglichen Ideen. Hier gibt es Handschriften des Klosters Reichenau (als Tiff-Dateien, also richtig gute Qualität). Das Wort Miniatur leitet sich übrigens vom Pigment Menninge (lateinisch Minium) ab, das beim Zerstossen hellrot wird. Bis Ende der 70er Jahre wurde die leuchtend orangefarbene, aber schwer giftige Farbe sogar noch allerorts als Rostschutzmittel eingesetzt.
Farben hatten in den Miniaturen in der Regel feste Bedeutungen, mit denen jeder etwas anfangen konnte. Der Mantel der Gottesmutter hatte immer blau zu sein, die Farbe der Reinheit, des Firmaments, auch des Wassers und damit symbolisch auch für den heiligen Geist stehend. Grün als Farbe des Lebens, Wachsens und der Hoffnung. Weiß, die Farbe des Lichtes und der Unschuld, hergestellt als Bleiweiß durch Oxidation, auch eine ziemlich giftige Sache. Rot wie Blut, erfüllte Liebe (grün hofft nur darauf), Farbe des Krieges und Schutz vor der bösen Magie. Richter im Mittelalter unterschrieben Todesurteile mit roter Tinte, noch heute tragen Richter rote Roben. Lehrer korrigieren mit dem Rotstift...Die Symbolik der Farben trägt bis in heutige Zeit, oft ohne dass die Ursprungsbedeutung noch bewusst ist. |
September: Wer möchte, kann einen VHS-Kurs von mir besuchen; "Briefumschläge kalligraphisch gestalten", findet statt am Freitag, 17. September 2010, 15:00 Uhr in der VHS Neheim, Möhnepark, Werler Str. 2 A.
August: Hemingway hat einmal den schönen Satz gesagt: Man braucht zwei Jahre, um sprechen zu lernen und 50 Jahre, um schweigen zu lernen. So ähnlich verhält es sich mit der Kalligraphie. Schreiben lernen ist keine große Kunst, wenn man es als Kind lernt. Auch verschiedene Schriften zu beherrschen ist nicht sehr schwer, wenn man erst einmal über diese Basis verfügt. Die Kalligraphie aber ist die Kunst der Formauflösung, und dies ist das Schwierigste. Die vorgegebene Struktur zu verlassen, oder den formalen Rahmen zu sprengen und der freien Form gegenüber zu stellen und Spannung zu erzeugen, ist erst nach langer Übung zu erreichen. Hilfreich beim Verlassen alter Schriftpfade ist sicherlich, sich mit unbekannten Werkzeugen zu befassen. Eine schöne kreative Übung ist es, mit Pappstreifen zu experimentieren. Man braucht einen handlichen dünnen Bambusstab in 20-30 cm Länge, den man vorn mit einem scharfen Messer einschlitzt. Starke Pappe kann in diesem Schlitz eingespannt werden. Und diese Pappe lässt sich mit einer Nagelschere beliebig gestalten, mit Kerben oder Schlitzen versehen, so dass ein interessantes Schriftbild herauskommen kann.
Hier noch ein Link für EinsteigerInnen: Edding-Creative hat einen Menge kleiner Filmchen online, die als Anregung allemal taugen. Natürlich auch als Werbung für Eddings, die mir persönlich als Kalligraphiewerkzeuge bisher nicht besonders aufgefallen sind. Aber schreiben kann man mit ihnen natürlich auch, und als wasserfeste Stifte taugen sie für Aussenbeschriftungen. |
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Juli: Hups, der Monat ist schon fast wieder rum. Sommerträgheit... aber ich habe in Sand geschrieben! Leider nur mit dem Finger, mit einer feinen Redisfeder, sozusagen. Nächstes Mal nehme ich ein Stück Treibholz! Kalligraphie kann einen überall mit hin begleiten, das ist das Schöne an ihr. Man hat sie immer bei sich, wenn man einmal mit ihr richtig Freundschaft geschlossen hat.
Ein paar Fundstücke habe ich noch zu bieten: in Göttingen gibt es außer einer Gutenberg-Bibel (besonders die Detailansichten sind gut, man muß aber Flash installiert haben) auch das Göttinger Musterbuch. Der Umgang mit Pigmenten und die Anlage dreidimensionaler Muster, wie sie in den ersten Druck-Bibeln von Hand eingemalt wurden, sind hier detailliert dargestellt.
Juni: Passend zum untenstehenden kleinen Pigment-Exkurs hier ein toller Tipp: Eine unvergleichliche Faksimile-Ausstellung läuft noch bis zum 18. Juli in Iserlohn. Vom Stundenbuch des Duc de Berry über dasselbe von Isabella von Kastilien, der Bamberger Apokalypse, dem Book of Kells und Lindisfarne oder dem Perikopenbuch Heinrich II., alle Kostbarkeiten der Buchkunst sind hier versammelt und lassen sich DURCHBLÄTTERN! Eine solche Gelegenheit bietet sich nicht alle Tage. Hier noch einige Bilder des Stadtmuseums, die Adresse ist Fritz-Kühn-Platz 1 58636 Iserlohn, Öffnungszeiten Di bis So 10-17 Uhr, Do sogar bis 19 Uhr. Montags geschlossen.
Wer einmal mit Pigmenten gearbeitet hat, wird ihre leuchtenden Farben schätzen lernen. Es ist ein ganz anderes Erlebnis der Kalligraphie, wenn man sich seine Farben erst einmal zermörsern und anrühren muss. Pigmente sind unbegrenzt haltbar, und manches ererbte Töpfchen voller Mineralstücke kann heutzutage beträchtlichen Wert haben, weil die Preise in den letzten hundert Jahren gestiegen sind. Wer über Internet bestellt, wird an Kremer Pigmenten nicht vorbei kommen, der das sicherlich umfangreichste Farbsortiment online hat.
Zusätzlich bedarf es noch eines Bindemittels, davon gibt es eine Menge. Ein schöner Satz vom Maler Franz von Lehnbach konstatiert, geeignet sei dazu „alles was bappt“. Eine einfache Emulsion ist mit Hühnerei zu erzielen, Eiweiß solo gibt eine magere, mit Dotter vermischt eine fettere Variante, die langsamer trocknet. Übermalt man eine fette Mischung mit einer mageren, kann es Risse bei der Trocknung geben (daher gilt immer „fett auf mager“ in der Malerei). Es empfiehlt sich ein tröpfchenweises Einrühren der Eitempera in das Pigment, um eine bessere Stabilität der Emulsion zu erzielen. Für die klassische Illumination in der Kalligraphie empfiehlt sich eine reine Eiweiß-Pigment-Mischung. Das Eiweiß wird zunächst schaumig gerührt, nach einer kurzen Standzeit sammelt sich Eiklar unter der Schaumschicht, dass die beste Konsistenz aufweist. Der pulverisierte Farbstoff wird etwa 1 zu 1 mit dem Bindemittel vermischt und für das Malen mit der Feder noch mit Wasser verdünnt.
| Mai: Lesezeichen sind eine schöne kalligraphische Übung. Spielberg hat angeblich gesagt: „ Warum soll man einen Dollar für ein Lesezeichen ausgeben, wenn man den Dollarschein genausogut als Lesezeichen verwenden kann?” Ansichtssache. Verschenken kann man beides, aber Dollarscheine kann/soll man eben nicht selber machen ;-) Ein schön geschriebenes Lesezeichen kommt immer an und hat praktischen Nutzen. Vor allem für Werbung wurde es schon immer gern genutzt, eine dicke Sammlung steht im Lesezeichenmuseum online. Für alle Kalligraphiebegeisterten jedenfalls eine große Spielwiese! Man kann einfach einen Namen schreiben, oder einen schönen Spruch, man kann gepresste Blumen aufkleben, mit der Feder einen Rahmen zufügen, verschiedenste Formen sind möglich (die Bildersuche im Internet ist Fundus für Silhouetten), man kann Fädchen mit Abschlussquast ankleben oder sonstigen Schnickschnack, der halt gerade passt zu Person oder Anlass. Echte Kunstwerke sind auch auf dieser englischsprachigen Seite zu bewundern: Mirage Bookmark, wirklich sehenswert! Es gibt verschiedenste Lesezeichenmaterialien, Papier ist sicher das gebräuchlichste, aber Metall, Leder, Pergament oder Stoff gehen auch. |
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April: Louis Barbedor gilt als einer der größten Schriftkünstler des 17. Jahrhunderts. Geboren 1589 als Sohn eines Schreibmeisters arbeitete er von 1630 bis zu seinem Tod im Jahr 1670 am Hof des französischen Königs. 1647 veröffentlichte er das Standardwerk "Les Escritures financiere et italienne bastarde dans leur naturel", und berühmte Typographen wie Hans Eduard Meier würdigen sein Werk bis heute, u.a. indem sie ihre Schriften nach ihm benannten.
Von ihm stammt der schöne Satz:
"Schreiben - weder eine mechanische noch eine freie Kunst, sondern die Wurzel von beidem. Nicht Wissenschaft, sondern der Weg der Wissenschaften, nicht Tugend sondern Verwalterin der Tugenden, zur Erhellung des Verstandes und der Ergetzung der Augen geboren." |
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März: Der Codex gigas ist eines der rätselhaftesten Bücher des Mittelalters. Die Bezeichnung "gigas" verdeutlicht die Ausmaße des Manuscriptes, mit 92 cm Höhe, 50 cm Breite und 22 cm Dicke ist es das größte Manuscript der Welt. Die auf Seite 50 stehende Abbildung des Teufels brachten ihm den Beinamen "Teufelsbibel" ein. Zudem entstand die Sage von der Mitautorenschaft Satans am Werk.
Die Bibel wurde wahrscheinlich in einem böhmischen Benediktinerkloster geschaffen. Es soll die Sühnearbeit eines Mönches gewesen sein, der zur Strafe für seine Sünden eingemauert werden sollte, dann aber versprach, in einer Nacht ein Buch über das gesamte Wissen der Menschheit zu schreiben. Gegen Mitternacht erkannte er, dass er sich da wohl etwas überhoben hatte, verkaufte dem Teufel seine Seele und bekam das Buch fertig. Dafür malte er den Mitautoren in derart drastischer Darstellung ins Buch, dass es die Leser nachhaltig faszinierte. Die Seite 50 wurde so oft aufgeschlagen, dass die Seite inzwischen durch Oxidation schwärzlich verfärbt ist (was natürlich zusätzlich als Zeichen des Teufels erkannt wurde, quod erat demonstrandum).
Kaiser Rudolf II. von Böhmen bekam das Buch 1593 von den Benediktinern für seine Kuriositätensammlung geschenkt, und er befasste sich derart intensiv damit, dass er darüber das Regieren vergass. Er wurde schließlich von den eigenen Brüdern entmachtet, die Schweden übernahmen am Ende des 30jährigen Krieges die Plünderung seiner Besitztümer und transportierten u.a. auch den Codex gigas ab. Heute liegt er in der Nationalbibliothek in Stockholm.
Neuere Forschungen bescheinigen die Urheberschaft einer einzigen Person. Das ganze Werk ist in derselben Tinte geschrieben, Abweichungen im Schriftstil sind nicht zu erkennen. Auch darum geht man von einem extrem kurzen Entstehungszeitraum aus. Allerdings dürfte der Betreffende immer noch 20 Jahre gebraucht haben, das Buch ist auch noch reich illuminiert.
Hier ist eine komplette Ansicht der Einzelseiten abrufbar: Schwedische Nationalbibliothek
Auf dieser Seite eine komplette Dokumentation vom National Geographic. |
Februar: Exlibris sind Bucheignerzeichen. Im 16.Jahrhundert gab es eine erste Blütezeit,eine weitere um die Jahrhundertwende zum 20. Jhd, der sogenannten Jugendstilzeit, bis etwa 1910. Die Aufwändigkeit dieser Bucheinkleber war teilweise enorm. Holzschnitte, Siebdrucke, Linoldrucke, Kupferstiche, Steindrucke und noch mehr Verfahren wurden eingesetzt, das Ex libris war eigene Kunstform, und wer etwas auf sich hielt, liess sich ein eigenes entwerfen.
Sammlungen finden sich im Gutenberg-Museum Mainz, in der Bayerischen Staatsbibliothek München und im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg.
Außerdem lohnt der Besuch im British Museum London und in der Österreichischen Nationalbibliothek Wien.
Es ist reizvoll, sich sein eigenes Exlibris zu erstellen. Motive finden sich im Internet zur Genüge, hier zum Beispiel.
Auch die österreichische Exlibris-Gesellschaft hat eine Galerie bedeutender KünstlerInnen online, die sicher Anregungen genug liefern können.
Zum Einkleben wird Buchbinderleim wie Planatol oder Eukalin empfohlen. Üblicherweise wird die Innenseite des vorderen Bucheinbandes mit dem Exlibris versehen.
Eine einfache Lösung ist aber auch ein ExLibris-Stempel, der nach der eigenen Vorlage gefertigt wird, jeder Büroservice vor Ort kann das mit einer eingescannten Vorlage. Die Zeit der getrennten Stempelkissen ist auch vorbei, Selbstfärber mit integriertem Kissen sind erschwinglich geworden. Allerdings hat man dann eben nur eine Farbe zur Auswahl.
Wer es kreativer mag, bestreicht den "Normal"-Stempel mit Tusche, Tinte, Aquarellfarbe oder was auch immer. Stempeln ist eine eigene Galaxie. Hier nur ein, zwei Links... besonders der zweite ist interessant. Stempel wieder absetzen ist der Trick. |

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Januar: Die Kurrentschrift war die gängige Schreibschrift im europäischen Raum bis Mitte des 20. Jahrhunderts. Der Name leitet sich vom lateinischen currere = laufen ab, die Kurrent ist eine Laufschrift, kursiv geschrieben und geeignet für schnelles Schreiben, wie man es im Alltag braucht. Bei Wikipedia wird das anschaulich erklärt. Erst später wurde aus ihr die Sütterlinschrift entwickelt, deren Buchstaben aufrecht stehend geschrieben werden.
Ebenso wie die Fraktur war die Kurrent eine gebrochene Schrift, d.h. die Buchstabenformen waren nicht rund wie z.B. bei der lateinischen Schrift, sondern oben und unten geknickt. Weil Hitler die gebrochenen Schriften nicht leiden konnte, wurde eine an den Haaren herbeigezogene Geschichte von den "Schwabacher Judenlettern" in die Welt gesetzt, und im Januar 1941 verbot man die Fraktur als Buchdruckschrift, im Dezember dann die Sütterlinschrift an den Schulen. Durchgesetzt werden konnte das nicht sofort, mitten im Krieg gab es wichtigere Sachen, aber nach dem Ende des 3. Reiches wurde Kurrent bzw. Sütterlin und Fraktur dennoch nicht wieder eingeführt. Nur noch in einigen Bundesländern wurde sie nach 1954 als zweite Schrift gelehrt, verschwand aber nach und nach aus dem Alltagsgebrauch. Schade eigentlich, denn es ist eine schöne Schrift, und nicht schwer zu erlernen. Wer sie sich erst einmal auf den PC holen will, um sich an das Schriftbild zu gewöhnen findet sie unter www.kurrent.de es gibt aber noch einige Seiten mehr, die sich mit dieser eigentlichen "deutschen Schrift" befassen. Geschrieben wird sie vorzugsweise mit der Spitzfeder, die Aufstriche haarfein, die Abstriche kräftig. Die Sütterlin wurde als Schulschreibschrift dagegen mit der leichter zu handhabenden Redisfeder geschrieben. |
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Dezember: In Arnsberg macht ein Weltkulturerbe Station: Der Gero-Codex, der lange im Arnsberger Kloster Wedinghausen bewahrt und im Zuge der Säkularisation nach Darmstadt verschleppt wurde, wird bis zum 17. Januar am alten Ort ausgestellt. Das Buch darf überhaupt nur alle 25 Jahre an die Luft, wie es bei den kostbarsten Werken mittelalterlicher Buchkunst inzwischen usus ist. Es ist also eine wirklich einmalige Gelegenheit. Gero war der Auftraggeber des Evangelistars (nur Auszüge der Evangelien sind enthalten), es wurde von einem einzigen Schreiber und Buchmaler namens Anno in einem Jahr angefertigt. |
Die Handschrift enthält 298 Evangelientexte für den gesamten Jahreslauf. Das Buch ist um 960 n.Chr. herum im Kloster Reichenau entstanden, dass sich damals zu einem bedeutenden Scriptorium entwickelte. Den Miniaturen sind keltische Einflüsse anzumerken, manche Initiale könnte auch von den Künstlern des Book of Kells angefertigt worden sein. Die überaus kunstvollen Rahmenornamente erinnern in ihrer Ausführung auch stark an das Echternacher Evangeliar, das aber viel später entstand. Die Echternacher Mönche haben vielleicht bei Anno abgeschaut. Unten zwei Detailvergleiche, links aus dem Echternacher Codex Aureus.

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Zeitgleich wird im Sauerlandmuseum, fußläufig vom Kloster Wedinghausen entfernt, der Hitda-Codex ausgestellt. Arnsberg ist zur Zeit wirklich ein kleines Mekka für Schrift-Interessierte! |
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